Pfotenmania

Robbie

Robbie war ein Australien Shepard und wurde am 19.05.2000 geboren. Er kam als Welpe zu seiner Familie, in der auch Katzen lebten und im August 2004 kam er zusammen mit seinem Herrchen in Sinas und mein Leben.

Seine erste Aktion im Haus war den Tisch anzupinkeln, als gerade niemand hinsah. Das war dann aber auch das Einzige was er an Schandtaten gemacht hat *g*, denn Robbie war einer der liebsten Hunde, die ich je kennen gelernt habe. Absolut ein „Will-to-Please“ Hund, der immer hörte, bei lauten Worten zusammen zuckte und gerne schmuste. Sein ganzes Glück war Fressen und sein Ball, dazu seine Menschen, mehr brauchte er nicht. Er verstand sich blendend mit Sina und auch zwischen ihm und Casimir gab es keine Probleme.

Mit Nikans Einzug veränderte sich das Rudel. Nikan dominierte Robbie komplett und dieser liess es sich gefallen. Schlimmer noch, irgendwie verstand er das alles gar nicht, was da geschah, Robbie liebte alle Hunde, absolut alle. Aber er war auch immer derjenige, der von anderen Hunden gemoppt wurde. Möglicherweise lag es an seinem fehlenden Stück Schwanz und seiner Ohrstellung.

Anfang 2010 gab es ein paar Tage, wo Robbie von beiden Hunden, also auch von Sina, ganz extrem gemoppt wurde. Sie grenzten ihn nicht nur aus, Sina zog auch die Lefzen hoch. Wir schoben es damals auf eine läufige Hündin in der Straße, wodurch Robbie durch den Wind war. Aber ich habe mich später öfter gefragt, ob es da nicht schon anfing mit seiner Krankheit. Denn im Sommer 2010 wurde Robbie sehr schwer krank.

Er hatte schon immer Probleme mit der Hitze und ich setzte mich erstmalig durch und er wurde geschoren, aber es brachte überhaupt nichts.. In unserem Urlaub im July an der Nordsee hatte er einmal heftiges Nasenbluten. Das war aber nur einmalig. Er war auch etwas schlapper, aber es war sehr heiss und wir schoben es darauf.

Wieder zurück war er immer mal wieder schlapp, die Gassirunden wurden etwas kürzer. Wir hatten aber ohnehin einen Termin beim Tierarzt, wo Blut abgenommen werden sollte zwecks Titer Bestimmung, da wir nach England reisen wollten im Jahr 2011. Und beschlossen, dann auch direkt ein großes Blutbild machen zu lassen. Der Termin kam und der Tierarzt sagte, dass Robbie richtig krank aussieht. Blut wurde abgenommen, es spritzte nur so, TA sagte sofort „Anämie“. Schaute noch Augen und Schleimhäute an, untersuchte Bauchraum und das bestätigte seine Diagnose.

Nun kann Anämie von allem Möglichen kommen. Ein Milztumor stand genauso im Raum wie Babesiose. Also wurde neben dem Blutbild noch ein Anämie Screening gemacht.
Tags darauf hatten wir einen Termin. Die Ergebnisse des Blutbilds waren da, er hatte kaum noch Thrombozyten. Wir mussten aber warten, was der Grund dafür ist, die Ergebnisse brauchten aber noch 2 oder 3 Tagen. Als erste Sofortnmaßnahme bekam Robbie eine Bluttransfusion. Sina und Nikan kamen als Spender nicht in Frage. Sina war dafür zu alt und Nikan hatte selbst Babesiose. Mir fiel dann Yanosch ein, der Hund von Dieters Vater, der jung, gesund und top trainiert ist. Ich erreichte Dieters Vater auch und er kam sofort vorbei. Zuerst wurde Janosch das Blut abgezapft, anschliessen bekam Robbie es per Tropf zugeführt. Das Blut tat Robbie gut, er wirkte deutlich wacher, er vertrug es auch einwandfrei, kein Erbrechen, keine Unruhe. Anschließend wurde die Milz geschallt, die sah weniger gut aus, es gab Hinweise auf Knochenkrebs. Die Lunge war aber metastasenfrei, so dass andere Krankheiten weiter möglich waren. Das Nasenbluten im Urlaub war jedenfalls ein Hinweis, auf die Anämie.

Am Folgetag ging es ihm besser und er hatte auch wieder Hunger. Er hatte allerdings auch Kortison gespritzt bekommen. Der Tag verlief sonst ruhig und er schien stabiler. Gegen abend wurde es aber wieder schlimmer. Auffallend war auch, dass die anderen Hunde ihn mieden. Doch am darauf folgenden Tag ging es ihm wieder schlechter, dazu hatte er Durchfall und schlimmen Durst. Ich fuhr wieder zum Tierarzt. Er kam noch einmal an den Tropf.

Der Tierarzt telefonierte wegen den Ergebnissen und erreichte die Uni Hannover, das Ergebnis lag vor: „Es waren antithrombozytäre Antikörper nachweisbar“ das deutete auf eine Autoimmunerkrankung. Es hiess dass er zwar Thrombozyten bildet, aber sein Immunsystem blockte die ab. Dafür gibt es viele Auslöser, von Medikamenten über Infektionen usw. Seine Thrombozyten betrugen übrigens nur noch 1/10 des Minimalwertes. Er hatte noch 17.000 Thrombozyten. Bereits ab 40.000 ist eigentlich das Minimum für einen Hund, bevor er überall blutet. Er bekam dann noch einmal gespritzt und Tabletten bekamen wir auch mit. Der Test auf Mittelmeerkrankheiten waren ebenfalls ohne Befund, die konnten damit auch nicht der Auslöser sein. Nun mussten wir abwarten, ob das Kortison anschlägt. Allenfalls eine 2. Transfusion als weitere Hilfe stand im Raum. An diesem Abend hatte er wieder Hunger und fand es auch toll, seinen Ball in seiner Nähe zu haben.

Dann kam das Wochenende. Die Nacht zu Samstag verlief gut. Samstags morgens fuhr ich mit den anderen beiden in den Wald, Dieter ging mit Robbie, musste dann weg. Als ich wieder kam, schien Robbie weg zu sein, bis ich ihn fand, im Korb mit einem Stück Kopfhaut, glücklich und mit der Welt zufrieden. Dieter hatte ihm die gegeben, Robbie war fitter beim Gassi und wäre ihm anschliessend in die Garage gefolgt, also hat er sich gedacht, er gibt sie ihm einfach. Lebensqualität ist wichtig. Wir schöpften wieder Hoffnung.

Bereits am nächsten Tag änderte sich das wieder. Er lief wieder staksig, er knickte ein. 3 Stunden später war wieder total matt. Wir telefonierten mit der Tierärztin und wir überlegten, ob wir ihn gehen lassen sollen. Denn der Zustand hatte sich verschlechtert, er grunzte beim Atmen und schien Schmerzen zu haben. Wir hatten das Gefühl, er möchte nicht mehr. Ich ging zum Kühlschrank, da kam er angerannt und ich gab ihm einen Becher Hüttenkäse, den er mit Genuss verschlang. Gegen Abend ging es wieder besser, er forderte auch sein Futter ein. Es sollte geben: Huhn, Kartoffelpü, Möhren. Er lutschte dann die Hühnerstücke ab und liess die drin. Ging dann
hochinteressiert an die Näpfe von Nikan und Sina, das macht er täglich (wenn die beiden fertig sind). Danach ging er in die Kudde und schlief. Wir trafen die Entscheidung nicht.

Am nächsten Morgen sah es noch gut aus. Er war wacher, er kam zur Tablettengabe, er fraß seinen Hüttenkäse, sein Output war wieder fester. Ich machte mit den anderen Futterspiele, auch ihm rollte ich. Aber gegen Mittag verschlechterte sich sein Zustand wieder und zwar heftig. Der Blick war trüb, er hatte keine Kraft mehr zu trinken, sein Zahnfleisch war fast weiß, sein Bauch auch. Er konnte keine 3 Schritte mehr laufen. Dieter sagte, dass wir die Entscheidung treffen müssen.
Ich setze mich zu Robbie auf den Boden, nahm seinen Kopf in meinen Schoss, da schmatze und grunzte er zufrieden. Ich sagte zu Dieter, dass seine Pupillen trüb sind. Da linste er mich unter halb verschloßenen Augenlidern an und sah mir direkt ins Herz und irgendwie wusste ich da Bescheid.

Wir haben dann mit der Tierärztin telefoniert. Sie meinte, es hörte sich an, als dass es keinen Sinn macht, aber sie müsste ihn natürlich dafür sehen. Wir machten uns fertig und ich sagte zu Sina und Nikan, sie sollten sich verabschieden, Robbie käme nicht wieder (also nicht lebendig). Ich wusste es in dem Moment. Vielleicht auch, weil das Zahnfleisch fast weiß war. Dieter packte ihn ins Auto. Wir fuhren los. Er hechelte. Es war Stau. Wir kamen an. Parkten im Hof. In die Behandlungsräume kann man auch durch eine Terassentür. Wir sagten Bescheid, Robbie lag mit dem Kopf an der Kofferraumklappe, die offen war. Ich setzte mich neben ihn. Er legte sofort wieder den Kopf in meine Hand und ließ sich streicheln. Ich hatte Pansenleckerlies eingepackt, die nahm er. Robbie war immer schon etwas verfressen.

Er schien in dem Moment echt nochmal zu berappeln. Wir überlegten, ob es richtig ist. Dann machte die Tierärztin die Tür auf, wir hoben ihn raus, er ging 3 Schritte und klappte hinten komplett weg. Dieter hat ihn dann rein getragen und direkt auf den Tisch. Dort lag er auf der Seite. Es stand sehr schlecht um ihn, daß wurde uns bestätigt. Der Bauch war fast weiß, das Zahnfleisch auch und es gab die ersten kleinen Einblutungen. Er hatte Herzgeräusche. Ich überlegt ob wir nochmal Blut nehmen, aber die Ärztin meinte, dass Robbie klinisch so schlecht dran sei, dass auch bessere Blutwerte das nicht ändern würden. Sie machte uns klar, dass es sein kann, dass er von alleine stirbt. Das dies aber nicht einfach wird. Denn dadurch dass die Anämie so heftig ist, würde er irgendwann in Luftnot geraten, weil kein Sauerstoff mehr in die Lunge geraten könnte.

Wir sahen, dass der Zeitpunkt wirklich gekommen war.

Sie legte Robbie einen Venenzugang er sollte übernarkotisiert werden. Sie meinte, es wäre sehr schwer an seine Vene zu kommen, wenn sie ihn erst sediert und dann mit dem Mittel spritzt, könnte das auch schwierig werden. So wäre es für ihn der sanftere Weg.

Robbie hatte innerlich schon abgeschaltet. Er ließ sich das legen und danach legte er sich auf dem Tisch sofort wieder auf die Seite. Aber selbst da nahm er noch die kleinen Pansenknöchelchen. Es waren nicht viele, aber es war etwas ganz Besonderes, die hatte ich zuletzt erst gekauft, normalerweise gibt es die hier nicht, weil Sina die nicht darf. Die Ärztin holte die Mittel und wir verabschiedeten uns. Ich drückte mein Gesicht an seins, sagte ihm, wie sehr ich ihn liebe und dass ich seine Seele gehen lassen werde. Und dann sagte ich „Geh zu Benny, der passt dort auf Dich auf“. Benny war der Hund von Dieters Vater und Robbie und er verstanden sich sehr gut.

Dann ging Robbie über die Regenbogenbrücke.

Wir nahmen ihn mit und wickelten ihn in eine Decke. Dann legten wir ihn unter das Terassendach, während wir das Loch gruben. Die anderen nahmen Abschied. Sina ging hin, schnüffelte und es war für sie erledigt. Nikan ging hin und schien es nicht zu begreifen. Er ging immer wieder hin und stupste Robbie an. Dann kam Casimir in die Küche, schaute raus und sah ja nur das Bündel dort liegen. Aber er wusste wohl Bescheid, denn er stiess einen sehr sehr langen und klagenden Laut aus.

Wir haben ihn dann beerdigt, zusammen mit seinem Ball und seinem Kauseil.

2 Tage später gingen wir los, um eine Pflanze dafür zu kaufen. Wir wussten nicht was, aber ich wusste, wir werden es wissen. Wir liefen durchs Center, da sagt Dieter „diese“. Ich drehe mich um, stehen da 2 Hibiskus.
Der eine Rosa/Weiss, der andere Lila/Blau. Eine Blüte des Blauen schien mich anzuschauen und ich hatte das Gefühl, er schaut mich an. Wir pflanzten den Hibiskus ein und ich legte noch 3 weisse Rosen dazu, darum hatten mich liebe Menschen gebeten.

Robbie war ein großartiger Hund mit einem traumhaften Wesen, ein sehr sanfter und lieber Hund. Er wurde von fast allen Menschen gemocht und viele Menschen haben mit uns um ihn geweint.

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