Pfotenmania

Ingrid und Sina

Ingrid und Sina: Es hat lange gedauert bis ich bei diesem Gedanken ein Team Gefühl hatte

Anfangs fiel es mir sehr sehr schwer, Sina gefühlsmässig an mich ranzulassen. Ich verglich sie mit Mona und wusste doch, dass sie ein andere Hund ist. Mona war perfekt, sie war fertig erzogen und wir waren aufeinander eingestellt. Und Sina? Sina war alles andere als perfekt und Sina war nicht Mona.

Monas Tod sass einfach noch zu tief in mir. Ich trauerte ihr nach. Ich hatte das  Gefühl, ich nehme ihr was, wenn ich jetzt Sina liebe. Ich überlegte, ob es vielleicht doch zu früh gewesen sei, einen neuen Hund anzuschaffen. Dann fand ich heraus, woran es lag. Ich hatte einfach Angst, zu Sina eine Bindung aufzubauen, denn ich hatte Angst, dass ich sie dann verliere. Es war völlig paradox. Und Sina? Sie fing ihrerseits an eine Bindung aufzubauen. Sie spürte wohl, dass ich sie noch nicht im Herzen hatte. Sie kuschelte sich oft ganz eng an mich, dürckte sich richtig ran, so als suche sie Schutz. Es schien auch, als gäbe sie sich Mühe Fortschritte zu machen.

Irgendwann einmal, sie lag gerade wieder ganz eng an mich gekuschelt, platze bei mir der Knoten. Ich fing an mit mir selbst zu schimpfen. Ich sagte mir, dieser Hund ist jetzt da ist und der andere Hund ist weg.

Und dass es ihr nicht hilft, sie abzublocken. Sie braucht mich und zwar ganz. Sie hat es nicht verdient, dass man sich einfach nur um sie kümmert. Und wenn sie mal nicht mehr sein sollte, dann werde ich es schaffen da durch zu kommen.

Meine Standpauke mit mir selbst hatte Erfolg, von dem Tag an konnte ich Sina auch gefühlsmässig annehmen. Damit wurde es natürlich besser. Aber es gab auch immer wieder Rückschläge, die unsere Bindung störten. Bis zu dem Tag an dem Sina kam, existierte das Wort Geduld nicht in meinem Wortschatz. Bei mir musste immer alles jetzt und sofort funktionieren oder eben gar nicht. Es gab keine Grauzone.

Wenn es mir nach gegangen wäre, wäre Sina nach 5 Tagen angstfrei mit mir rumgelaufen, 5 Tage, das war für mich schon eine lange Zeit. Ein Monat erschien mir wie eine Ewigkeit und ein Jahr als irgendwann in ferner Zukunft.

Dazu kam, dass ich Sina selbst erziehen musste. Mona war ja schon „fertig“ als sie kam. Und ich war natürlich oft ungeduldig, wenn ich ihr zum 3. Mal was zeigen musste und sie machte es immer noch nicht perfekt. Denn hier kam eine andere Charktereigenschaft von mir zum Tragen: wenn ich etwas mache, dann muss es perfekt sein – oder ich lasse es.

Jetzt half mir wieder eine Charaktereigenschaft: Wenn ich mich entschieden habe, irgendetwas zu schaffen, dann gebe ich nicht auf.

Hinzu kamen jetzt noch die Probleme mit meiner Umwelt. Leute, die keine Ahnung von Hunden hatten, hatten irgendwann kein Verständnis mehr dafür, dass ich dran blieb. Und Leute, die Ahnung von Hunden hatten, waren oftmals der Meinung, ich mache sowieso alles verkehrt. Teilweise stand ich wirklich isoliert da und das gefiel mir natürlich auch nicht. Und ich gelangte an einen Punkt, wo ich wirklich kurz davor war, endgültig das Handtuch zu werfen.

Glücklicherweise gab es aber Leute, die unser Problem verstanden und nach vielen Gesprächen schaffte ich es, mich noch einmal zu motivieren. Ich entschloss mich, auch noch einmal ein paar Einzelstunden zu nehmen, denn ich hatte das Gefühl, dass ich zwar so viel gar nicht verkehrt machte, dass aber doch einige Dinge noch nicht richtig umgesetzt bekam und auch deshalb nicht voran kam.

Diese Stunden dienten erstrangig dazu, dass ich alles fragte, was es zu fragen gab, gleichzeitig suchten wir Orte mit Menshen auf und unsere Trainerin sagte mir, was ich falsch machte.

Und damit fiel mir auf, dass ich die einzelnen Themen zwar immer verstanden habe, aber Probleme damit hatte, das alles irgendwie in Zusammenhang zu bringen. Das wurde mir jetzt klarer und klarer und von jetzt an wurde es auch für Sina einfacher, denn ich konnte endlich richtig mit ihr umgehen. Ich mache bestimmt immer noch viele Fehler und ich weiss bestimmt noch lange nicht alles, aber eines weiss ich sicher:

Trotz aller Probleme und Missverständnisse, gelang es uns irgendwie zu einem Team heranzuwachsen. Und heute kann ich mit Sicherheit sagen, dass Sina und ich ein Team sind.