Pfotenmania

Weiterentwicklung

Vier Wochen lang verlief unser Alltag dann wenigstens mehr oder weniger regelmäßig. Sina verbrachte die Tage beim Hundesitter, wo sie sich auch sehr schnell wohlfühlte. Dies lag auch an den 3 Hunden die dort lebten, alle viel älter als sie. Sie schaute sich eine Menge ab und fand in Bonnie, der Rudelführerin eine gute Lehrmeisterin.

Wir gingen jeden Tag spazieren und zumindest im Feld, wenn keine Menschen dort waren, war sie happy.

Aber auch wenn Sina im Feld und zu Hause mit mir Fortschritte machte, so machte sie überhaupt keine Fortschritte bei der Begegnung mit Menschen. Menschen auf mehrere hundert Meter Entfernung ließen sie erstarren und weit ins Feld hinein flüchten. Selbst wenn diese Menschen Hunde dabei hatten, Sina war nicht in der Lage mit diesen zu spielen. Sie war so sehr mit ihrer Angst beschäftigt, dass sie teilweise auch vor den Hunden flüchtete, die sie zum Spiel aufforderten.

Etwas Abhilfe schafften wir dann, indem ich ihr Sitz beibrachte und dies immer anwandte, wenn wir Menschen trafen. Diese gingen dann an ihr vorbei und mit der Zeit begriff sie, dass wenn sie sitzt, sie von den Menschen nichts zu befürchten hatte. Es dauerte Monate, bis sie dabei in der Lage war, mich anzusehen. In der ganzen Anfangszeit verdrehte sie dabei die Augen, bis nur noch das Weiße zu sehen war. Sie verschloss sich ganz einfach vor der Welt.

Ich begab mich weiter auf die Suche nach einer Hundeschule. Ich telefonierte mit sehr  vielen Hundeschulen, die meisten kamen für mich dann aber nicht in Frage. Wir gelangten dann an einen Hundeverein. Die Trainerin dort schaute sich Sina an und da fiel das erste Mal der Begriff „mangelnde Welpenprägung“ und ich fiel aus allen Wolken, als sie mir erklärte was das bedeute. Dass das nicht mehr aufholbar sei und dass man nur versuchen könnte, dies zu verbessern.

An dem Tag war ich wirklich fertig. War ich doch bislang immer davon ausgegangen, dass Sina nur Angst hat, weil sie was Schlechtes erlebt hat und dachte, wenn es ihr lange genug gut geht, dass sie dann in 1 – 2 Jahren ein ganz normaler Hund sei. Ich war halt Anfängerin…

Diese Trainerin sagte aber auch, ich solle doch zuerst einmal zu einer Verhaltenstherapeutin gehen, damit die sich das Ganze mal ansieht.

Zwei Wochen später trafen wir uns mit Celina Del Amo in einem Park in Düsseldorf. Wir gingen eine Stunde spazieren, Frau Del Amo beobachete Sina dabei. Am Ende der Stunde sagte sie, dass man bei Sina noch Einiges erreichen könnte, unter Anderem mit dem Einsatz von Clicker und Halti.

Also durchsuchte ich die Hundeforen nach einer Hundeschule, die das anbietet. Das war im Jahr 2000, da fing das mit dem Internet gerade an. Ich wurde aber  fündig und kurze Zeit später fingen wir mit dem Einzeltraining an, später waren wir dann in einer Gruppe. Wir arbeiteten zwar nicht mit Clicker, aber es wurde positiv verstärkt und wir kamen voran.

Sina fühlte sich auf dem Platz recht schnell zu Hause und machte auch sonst einiges an Fortschritten. Vielmehr ich machte Fortschritte, denn ich lernte so einiges über Hunde. Wir blieben dort ein Jahr. Dann folgte eine Zwangspause aufgrund einer Erkrankung von Sina und ich entschied, diese Pause auszudehnen. Ich bin nicht der Mensch für regelmäßige Events und dachte, ich weiß jetzt genug, um alleine weiter zu machen.

Das tat ich zwar, aber irgendwie stagnierten wir. Es ging einfach nicht voran, so sehr ich mich auch bemühte. Im Sommer 2002 hatte ich dann noch einmal einen absoluten Tiefpunkt, denn ich fühlte mich durch Sina auch mehr und mehr isolierter. Ich war alleinstehend und konnte Sina nicht überall hin mitnehmen, sie aber durch den Job in der Freizeit auch nicht alleine lassen. Frust machte sich breit. Wir fuhren dann eine Woche nach Holland und da war es mit ihren Ängsten ganz schlimm, so als wenn alles umsonst gewesen wäre. Ich war danach endgültig vollkommen frustriert und stand wirklich kurz davor, das Handtuch zu werfen. Ich war am Ende meiner Kräfte angelangt.

Aber ich mobilisierte  meine letzten Reserven und motivierte mich, weiterzumachen. Ich beschloss, noch einmal Einzeltraining zu nehmen. Ich wusste, irgendwas machte ich noch falsch, aber ich wusste einfach nicht, was es war. Also kontaktiere ich eine Hundetrainerin.

In der 2. Stunde im Wald war etwas mehr los. Meine Trainerin war noch mit den Leuten unterwegs, die vor mir waren und ich fühlte mich gut genug, mal ein Stück alleine den Weg lang zu laufen. Wir liefen los, der Weg teilte sich und in der Mitte ein Riesen Gestrüpp, in das Sina – weil sie Menschen sah, mal schnell reinhüpfte und aus welchem ich sie nicht herausbekam.

Dann kam die Trainerin und ich fragte, ob sie mir mal helfen könnte, meinen Hund da raus zu pflücken… – Es endete damit, dass ich Sina da auf 2 Beinen raust ragen musste und die Trainerin konnte aber sehen, dass sie nicht wirklich Panik hatte. Wir gingen dann gemeinsam und es stellte sich raus, dass sie im freien Feld viel sicherer ist, weil sie da selbst absichern kann und dass ich es total falsch anstellte. Kamen Leute, dirigierte ich sie ins Sitz und hüpfte fröhlich hektisch vor ihr rum, denkend dass ich positive Stimmung verbreite und signalisierte meinem Mädel dass es Alarm ist und sie sich verstecken sollte.

Natürlich war es anfangs schwer, mein Verhalten diesbezüglich zu korrigieren. Aber sie machte grosse Fortschritte. Panikattacken wurden selten, sie war jetzt mehr scheu und ein wenig ängstlich. Ihr Selbstbewusstsein wurde besser, in ihrem Garten war sie Königin und verteidigte ihr Revier mit Bellen.

Es schien, als hätte Sina auf einmal viele Dinge begriffen, Dinge wo ich teilweise wochenlang dran rumübte, klappten auf einmal.

Sie wurde insgesamt ruhiger und gelassener. Sie näherte sich fremden Hunden anders, stürmte nicht mehr auf diese zu sondern wurde etwas reservierter. Lernte auch das Zicken´.
Jägerin war sie auch, aber da wir auf dem Dorf lebten und nur im freien Feld spazieren können, lernte ich sie meistens umzulenken.

Richtig gut wurde es mit ihr aber erst, als wir Dieter mit Robbie kennen lernten. Sina wurde relaxed, ist zwar noch ängstlich wenn zu viele Menschen auf einmal auftauchen, aber sie gerät selbst dann nicht mehr in Panik sondern guckt nur, dass sie zügig dran vorbei kommt.

Ich dachte ja anfangs, dass es daran liegt, dass ein 2. sicherer Hund dabei ist. Das war mit Sicherheit auch mit ein Grund, aber die Tatsache dass Dieter die Ruhe selbst ist und vor Allem, dass ich mein ganzes Sein nicht mehr nur noch auf diesen Hund konzentrierte ;-))) haben jede Menge dazu beigetragen, dass Sina sich so gut entwickeln konnte.