Pfotenmania

Sinas erste Schritte

Ich hatte 10 Tage Zeit, Sina sowohl an mich als auch an ihre Hundesitterin zu gewöhnen, denn ich bin berufstätig. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, für einen Hund mit Mangel-Prägung eine Katastrophe. Aber damals wusste ich nichts von fehlender Prägung, wie gesagt, man sagte mir, Sina sei nur ein wenig ängstlich.

Dass Sina nicht nur ein wenig ängstlich ist sondern dass das mehr hinter steckt, wurde mir trotzdem sehr schnell klar. Es begann gleich, nachdem die Pflegefamilie weg war. Ich habe im Garten eine junge Hecke, an einer Ecke einen Hügel, in der anderen Ecke einen Busch. Sina rannte sofort ständig vom Hügel zum Busch und wieder zurück. Ich stand auf der Terrasse, ca. 7 Meter von ihr entfernt.

Alleine ihre Art zu laufen und zu schauen waren ungewöhnlich, aber faszinierend. Irgendwie erinnerte sie mich an einen Wolf. Ich versuchte sie mehrfach zu locken – keine Chance.

Also ging ich erst einmal ins Haus. Kurze Zeit später kam sie auf einmal wie der geölte Blitz in die Küche geschossen und versteckte sich dort unter einem Stuhl. Irgendwas im Garten musste sie erschreckt haben. Mehr passierte an diesem Tag nicht mehr, ich setzte mich neben sie auf die Erde und las ein Buch.

Aber am Tag darauf machten wir dann nach einer ruhigen Nacht unseren ersten Spaziergang. Sina bremste und bremste, wollte ständig rennen, zog und bremste. Es war ein echter Alptraum. Vollkommen fertig kamen wir dann wieder zu Hause an. Ich war mit den Nerven runter und rief sofort die Vermittler an. So hatte ich mir das mit dem ängstlich sein ja nun nicht gedacht. Aber die Vermittler machten mir Mut, das würde schon kommen, bei ihnen habe sie sich ja auch eingelebt.

Mir wurde klar, dass ich mit ihr in eine Hundeschule gehen sollte. Sie war noch recht jung und unter richtiger Anleitung könnte ich bestimmt Einiges an Positivem bewirken. Mir war klar, alleine schaffe ich das nicht und das Risiko, dass dieser Hund komplett versaut wird, war sehr groß. Bereits an diesem Tag machte ich einen Termin mit einer Hundeschule aus. Der Rest des Tages verlief für Sina relativ ruhig. Ich ließ sie den ganzen Tag in Ruhe. Ich brachte ihr das Futter an den Platz, an dem sie lag, was sie auch teilweise fraß. Ich ging viel in Abstand an ihr vorbei, mehr aber nicht.

Samstag Morgen kam ich die Treppe herunter und da wedelte Sina erstmals mit dem Schwanz. So ein vorsichtiges beschwichtigendes Wedeln. Das habe ich natürlich nicht als solches erkannt. Ich sah nur, sie wedelt mit dem Schwanz und dass hieß für mich: sie freut sich!. Ich führte einen wahren Indianerfreudentanz auf.

An diesem Tag hatten wir den Termin in der Hundeschule. Schließlich wollte ich so schnell wie möglich was lernen. Sina fuhr zu dem Zeitpunkt nicht gerne Auto, aber da ich der Meinung war, dass sie das lernen muss, schubste ich sie da irgendwie rein. Wie sie mit dieser Methode gelernt hat, Spaß am Autofahren zu gewinnen, ist mir bis heute ein Rätsel. Denn wenn ich heute nur das Wort „Auto“ sage, dann bricht Sina in Begeisterungsstürme aus.

An der Hundeschule wieder raus, den Weg dorthin entlang, an Leuten vorbei, die gerade ihre Stunde beendet hatten und uns entgegenkamen. Endlich dort angekommen, wurde uns zugerufen, das Auto sei falsch geparkt und wir müssten es umparken. Sonst noch was? Als ich sagte, dass ich mit diesem Hund den Weg jetzt nicht noch mal lang laufe, sollte irgend jemand solange Sina festhalten. Damit war der Hundeschulencheck für diese Hundeschule war damit beendet. Denn wer trotz telephonischer Vorbereitung so etwas von so einem Hund verlangt, der konnte in meinen Augen einfach nicht kompetent sein.

Also wieder den Weg zurück, Sina wieder ins Auto bugsiert und ab zum Hundesitter. Den musste Sina dann auch noch über sich ergehen lassen, bevor sie dann für den Rest des Tages ihre Ruhe hatte.

Sonntags ging ich dann mit der Flexileine erstmals ins Feld. Das Korn stand hoch und obwohl weit und breit kein Mensch zu sehen war, machte Sina einen Satz und weg war sie, mitten im Feld. Ich hatte dann einiges zu tun, die Flexileine vom Korn ab- und Sina wieder da raus zu bekommen. Der Feldspaziergang war dann für den Tag beendet, dafür fuhren wir noch mal zum Hundesitter.

In den nächsten Tagen ging es ähnlich weiter, täglich spazieren, täglich ins Feld, täglich zum Hundesitter. Dazwischen Telefonate mit Hundeschulen und Suchen nach Infos im Internet.

Mittwochs blieb sie dann erstmalig beim Hundesitter eine halbe Stunde alleine, Freitags waren es dann zwei Stunden und bereits Dienstags darauf musste sie den ganzen Tag dort verbringen und damit begann dann unser richtiger Alltag.

Rückblickend auf diese Geschehnisse der ersten Tage und ausgestattet mit dem Wissen, welches ich heute habe, muss ich sagen, dass Sina meine vielen Fehler super weggesteckt hat und es mich eigentlich wundert, dass Sina dadurch nicht noch einen weiteren Knacks wegbekommen hat. Aber nein, bereits in dieser Woche fing sie an in die Küche zu kommen um zu fressen und sie kam auch ins Obergeschoss um zu sehen, was da so los ist.