Pfotenmania

Nierenentzündung

Im Oktober 2007 kam Nikan zu uns  und wir zogen um. Eine Woche nach dem Umzug fing Sina an schlapp zu wreden. Dann verlor sie Urin. Dann fing sie an, komisch zu laufen, ihr knickten kurz die Hinterläufe ein.

Also fuhr ich am nächsten Tag am Morgen mit ihr zum Tierarzt.  Sie wurde untersucht, sie hatte kein Fieber, sie lief total normal, die Bauchdecke war weich, es waren keine auffälligen Darmgeräusche zu hören – alles normal. Wir fuhren wieder nach Hause. Sie ging in ihren Korb und zog sich zurück. 2 Stunden später ging sie in den Garten und und kötzelte mehrfach.

Wir fuhren dann noch mal zum Tierarzt. Sina hatte mittlerweile über 40 Grad Fieber und spuckte nur noch Galle. Der Bauch wurde geröntgt, nichts Auffälliges zu sehen, auch beim Abtasten keine Auffälligkeiten. Blut wurde genommen und eingeschickt. Mit einer Blutprobe wurden die Nierenwerte im hauseigenen Labor getestet, die gaben dann einen ersten Hinweis.

Sinas Krea, den wir sogar bis 1,9 runter hatten, war auf knapp 7. Die Werte sind zwar nur Schnellwerte und von daher nicht ganz so genau, aber das war deutlich zu hoch.

Sie bekam zunächst mal eine Infusion, bekam Schmerzmittel und Antibiotika gespritzt. Die Infusion begannen wir beim Tierarzt, führten sie dann zu Hause fort. Als wir beim Tierarzt raus wollten, erbrach sie wieder Galle und kam hinten überhaupt nicht hoch, sie musste getragen werden. Doch dann lief sie zum Glück wieder.

Obwohl sie eine Flasche Infusion bekam, konnte sie später am Abend keinen Urin mehr absetzen. Das Fieber war runter und sie war immer noch schwach.

Erbrochen hat sie aber auch nicht mehr und das Fieber ist im Moment runter (37,8) – sie hat ja auch Novalgin bekommen. Läuft aber immer noch total geschwächt rum.

Am nächsten Morgen war das Fieber weiter runter. Sie setzte auch etwas Urin ab. Und sie trank Wasser.  Dann sind wir wieder in die Praxis. Dieses Mal war unser Haupt Tierarzt da, der sich etwas verwundert zeigte, dass Sina nur eine Flasche Infusion bekommen hatte, weil sie mit diesen Werten dauerhaft gespült werden müsste.

Sie bekam noch einmal Blut abgenommen, der Krea war weiter gestiegen und lag nun weit über 8. Er sagte mir, dass wenn wir diesen Krea Wert nicht schnell wieder herunter bekommen, dass Sina dann keine Chance hat. Einzig positiv war, dass sie nicht mehr erbrochen hat.

Der Verdacht lag bei einer Infektion, aber die Blutwerte aus dem Labor waren noch nicht da, sie wurden für den Abend erwartet. Bis dahin musste Sina an den Tropf, Durchlaufzeit  im Sekundentakt, damit die Nieren Druck bekommen und sie Urin absetzt.

Kaum zu Hause und die erste Flasche am Laufen, stellten wir fest, dass die Braunüle verstopft war. Also wieder zum Tierarzt, neue Braunüle. Wieder zu Hause setzte sie Urin ab, der war dunkelrot.

Am Nachmittag fuhren wir noch einmal zum Tierarzt, die Blutwerte waren da und sie wollten  ein Nierenultraschall machen, es stand jetzt auch der Verdacht von Leptospirose im Raum. Während des Ultraschalls erklärte der TA, dass eine massive Infektion vorliegt. Sinas Leukozyten waren bei 27.000, der Referenzwert war 11.000.

Auf dem Ultraschall sah man dann, dass die Niere hochgradig entzündet ist. Man konnte keinen Unterschied mehr zwischen Nierenrinde und Nierengewebe sehen. Es gab auch einen Indikator, der auch für eine Lepto gesprochen hätte, letztere hat sich dann aber nicht bewahrheitet. Auch der Bauchraum wurde geschallt, da war alles in Ordnung.

Sie bekam Antibiotika gespritzt. Der Krea-Wert des Labors lag bei 5,1 und somit musste sie natürlich wieder an den Tropf. Es ging ihr sehr schlecht. Sie hechelte stark. Robbie legte sich dann zu ihr, das hat mir sehr gerührt.

An diesem Abend gab es dann ein Erlebnis. Wir gingen in den Garten, damit sie sich lösen kann. Sie schlich neben mir her und sie signalisierte mir sehr sehr deutlich, dass sie nicht mehr möchte. Sie versuchte auch sich im Gebüsch zu verkriechen.

Ich schaute sie an und sagte: „Sina, ich würde Dich gehen lassen wenn Du wirklich gehen musst. Aber der Zeitpunkt ist schlecht. Nikan ist ganz neu hier und Du musst mir mit ihm noch helfen.“. Da schaute sie mich an, seufzte einmal tief und ich sage heute, das war eine kleine Wende.

Robbie leistete ihr übrigens Gesellschaft während sie am Tropf lag.

Da wir durch den Umzug beide Urlaub hatten, teilten wir uns die Zeit. Ich blieb bis Mitternacht wach, dann übernahm Dieter sie.  Zu diesem Zeitpunkt atmete sie schon wieder ruhiger.

Am nächsten Morgen sah sie etwas fitter aus. Ich fuhr wieder zum Tierarzt. Wieder machten wir ein hausinternes Blutbild und statt 8,5 vom Vortag waren es nur noch 4,2.

Der Urin war auch wieder gelber, kaum noch Blut drin.  Er wurde dann noch eingeschickt.
Sie hat wieder Antibiotika bekommen und 10 Flaschen für den Tropf,

denn da musste sie nun die nächsten 3 Tage Tag und Nacht dran. Erbrochen hatte sie auch nicht mehr und Futter durfte sie wieder haben.

Es erinnerte jetzt vieles an die Geschichte vor 2 Jahren.

Wir bekamen dann eine Flasche durch, dann war die Braunüle wieder zu. Also fuhr ich wieder hin und liess eine neue setzen. Das Problem war, adss Sinas Venen sehr fein sind und durch die vielen Blutabnahmen und Infusionen in den letzten Jahren porös sind.

Sie hatten die Braunüle schon in die Hinterläufe gesetzt, das war für sie aber ungünstig. Also versuchten wir es wieder mit eine Vorderpfote. Testlauf beim Tierarzt war positiv, wieder zu Hause ging eine Flasche durch und bei der 2. ging dann wieder nichts mehr.

Und so fuhren wir ein 3. Mal an diesem Tag zum Tierarzt, der übrigens 15 km von uns entfernt ist.
Eine Pfote war noch übrig, die nahmen wir und ich konnte nur hoffen, dass es ihr erspart bleibt, dass sie an die Halsschlagader gehen müssen, denn das hätte nur in der Klinik gemacht werden dürfen, auch die Infusionen.

Ich hatte noch einen Termin, Dieter nahm sie dann mit nach Hause. Als ich dann kam, da wackelte sie nur so vor Freude, das waren nach 2 Tagen die ersten Emotionen, die sie wieder zeigte.

Nachdem die Flasche durch war, beschloss ich, dass sie eine Pause bekommt  und in der Küche einfach nur so rum liegen darf, während wir schnell gekocht und gegessen haben. Denn da die Braunüle jetzt in der hinteren Pfote war, muss sie ständig diese Pfote während der Infusion gestreckt halten, sonst lief es nicht.

Der Abend und die Nacht verliefen so weit gut, obwohl die Braunüle etwas Probleme machte. Sie wurde dann gespült, allerdings testen wir nicht.

Blut wurde abgenommen, das Krea war weiter gesunken, lag jetzt bei 3,5.  Der Harnstoff war noch etwas hoch. Appetit hatte sie auch keinen, ihr war wohl übel.  Sie hatte zu dem Zeitpunkt etwas Übergewicht, worüber ich ausnahmsweise ganz froh war, denn so hatte sie genug Reserven. Der Tierarzt sagte übrigens, wenn man innerhalb von 2 Tagen schafft, das Krea zu halbieren, dann sind die Prognosen gut. Nun das hatten wir ja geschafft.

Sie bekam noch Magentabletten, damit die Übelkeit besser wird und wir fuhren nach Hause. Sina kam wieder an den Tropf und dann tröpfelte es nur noch. 30 Tropfen in der Minute – 60 sollten es mindestens sein. Wieder gespült – nichts. Pfote hochgelagert – nichts. Die anderen Spritzen zum Durchspülen genommen (hatten sie mir heute extra mitgegeben, weil die einen besseren Druck haben) – nichts.  Dazu meine Panik, ich könnte eine Luftblase spritzen.

Also wieder auf zum Tierarzt. Es war mittlerweile Mittag und sie war noch nicht einmal am Tropf. Und ich überlegte, ob ich sie nicht da lassen sollte, denn die Hin- und Herfahrerei halt uns nicht weiter.

Die Braunüle war abgeknickt. Also wurde eine neue dickere Braunüle gelegt, wieder Hinterbein – diesmal weiter oben – die war gut. Ich musste sie nur wenig aufdrehen um die 60 Tropfen zu bekommen und Sina musste auch nicht mehr die ganze Zeit das Bein gestreckt halten.

Sie sollte das Bein so wenig wie möglich bewegen, also wurde sie auch die Treppen getragen.
Ansonsten ging es ihr aber besser. Als Nikan mal zu ihrer Kudde kam, wo etwas Nierentrofu lag, zog sie die Lefzen hoch, Chefin wollte sie schon bleiben.

Sie fraß an dem Tag auch wieder Miniportionen und sei es nur, weil Nikan daneben stand, aber das war mir in dem Moment egal.

Für diesen Tag/Abend/Nacht standen 5 Flaschen Infusionen an, die in der Nacht um 02.00 Uhr zu Ende waren. Das war dann für Mensch und erst einmal eine Erleichterung.

Am nächsten Morgen hüpfte sie fröhlich durchs Haus, hatte sie sich ihre Braunüle selbst gezogen. Beim Tierarzt kam die aber wieder rein, zum Glück konnte sie einfach da erneuert werden wo sie war. Es standen für diesen Tag aber nur 3 Flaschen auf dem Programm, da der Krea Wert weiter gefallen war.

Es wurde aber auch Zeit, denn als wir beim Tierarzt ankamen, verdrehte sie vor Panik die Augen, dass man nur noch das Weisse sah. So ein Verhalten zeigte sie letztmalig  kurz nachdem sie aus Spanien kam. Aber ich legte sie dann noch mal im Auto ab und dann ging es.

Am Folgetag war der Krea dann im hausinternen Labor bei 2,7. Da er dort ja immer etwas  höher ist als im externen Labor, war das fast schon gut.

Wir sollten sie über Tag noch mal spülen, sofern die Braunüle es zuliess. Sie liess es nicht zu, es lief überhaupt nichts mehr. Also haben wir die Braunüle gezogen und Sina durfte einfach wieder Sina sein.

Sie fraß auch wieder normal, sie spielte wieder Ball, sie war wieder Chefin und ihre Augen glänzten wieder, es war eine Freude, sie anzusehen.

Es ging ihr auch an den nächsten Tagen gut. Sie bekam noch einmal ein Blutbild. Die Leukos waren runter auf 10.300, also fast normal. Das Kreatin war vom externen Laborwert von 5,5 auf 2,5.  Der Harnstoff war lag mit 77 auch in einem guten Bereich.

Auch der Urin wurde noch mal eingeschickt. In der ersten Urinprobe wurde übrigens ein Wurm gefunden, das ist etwas unüblich. Möglicherweise hat sie den aus dem Darm verloren, während wir den Urin aufgefangen haben.  Auch deswegen wurde die Probe noch mal genommen.

Es war dann aber alles in Ordnung. Das Ganze ist jetzt 3,5 Jahre her und Sinas Nierenwerte waren beim letzten Bluttest im Normbereich, sie hatte so gute Werte wie seit 5 Jahren nicht mehr.

Schreibe einen Kommentar