Pfotenmania

Mittelmeerkrankheiten

Als Sina im Mai 2000 nach Deutschland kam, war sie negativ (ohne Befund) auf Leishmaniose und Dirofilaria getestet. Trotzdem sollte man einen Hund, der im Ausland war, egal ob Urlaub oder dort gelebt, immer noch einmal 6 Monate später nachtesten lassen, was ich auch tat.

Ergebnis: Babesien 1:128 – Borreliose 1:64 und sehr sehr viele Microfilarien (+++).

Bzgl. der Babesienbehandlung bekam Sina 2 x im Abstand von 14 Tagen ein Medikament gespritzt, musste aber anschliessend jeweils 4 Stunden an den Tropf, da die Gefahr des Kreislaufkollapes drohte. Was in Bezug auf die Sozialisierung natürlich nicht gerade förderlich war. Aber das Medikament half, beim nächsten Test war der Wert reduziert und beim übernächsten Test wurden keine Babesien-Antikörper mehr gefunden. Auch ein Test 2 Jahre später blieb ohne Befund.

Bezüglich  Borreliose bekam sie 21 Tage lang ein Antibiotkum. Der Titer war ohnehin sehr niedrig, das Medikament schlug an und der nächste Test zeigte keine Antikörper mehr.

Die Microfilarien, die ich persönlich anfangs als am wenigsten schlimm eingeschätzt hatte, waren es jedoch, die uns wirklich Sorgen machten. Filarien sind verschiedene Wurmarten, übertragen durch Parasiten. Die bekanntest Art sind Dirofilarien, das sitzen die erwachsenen Würmer im Herzen. Aber es gibt auch andere, seltenere Filarienarten. Da sitzen die erwachsenen Würmer entweder unter der Haut oder direkt an den Organen.

Bei den Mittelmeertests wird zum Einen getestet, ob erwachsene Herzwürmer vorhanden sind (Dirofilaria) und ob Nachkommen von einer der verschiedenen Filarienarten da sind (= Microfilarien). Es ist bei diesem Test nicht nachweisbar, ob erwachsene Filarien der anderen Art vorhanden sind. Man erkennt es lediglich an einem hohen Microfilarienbefund mit negativem Test in Bezug auf adulte Dirofilaria.

Sina Dirofilaria Test war negativ, so dass man davon ausgehen konnte, dass es sich um eine der anderen Wurmarten handelte. Die sind teilweise für den Hund nicht krankmachend und sterben in der Regel von alleine ab (zumindest Sinas Art, auf die man tippte). Von daher galt es nur die Microfilarien zu behandeln.  Die Übertragung erfolgt übrigens  durch eine Zecke oder Mücke – je nach Art. Die Filarien entwickeln dann Nachkommen = Microfilarien, die aber im eigenen Hund normalerweise nicht erwachsen werden. Aber auch hier soll es schon andere Fälle gegeben haben.

Bei Sina gab es nun die Möglichkeit der Behandlung mit einem Medikament was gespritzt wird, sehr effektiv ist, aber auch Nebenwirkungen hat. Und es gab die Möglichkeit von Stronghold. Da mir das Risiko mit dem Spritzen des Medikamentes zu groß war, entschied ich mich für die Behandlung mit Stronghold. Übrigens nimmt man heute vorzugsweise Advocate.

3 Monate später testeten wir erneut. Es waren jetzt weniger Microfilarien vorhanden, aber es waren immer noch zu viele. Also wurde vorgeschlagen, zusätzlich noch  10 Tage Panacur zu geben, in einigen Fällen sterben die erwachsenen Filarien dann ab. Auch die Microfilarien wurden weiter behandelt.

Wieder 3 Monate später waren die Microfilarien zwar wieder weniger geworden, aber es waren immer noch welche vorhanden. Man schlug mir vor, von nun an nur noch jeden 2. Monat Stronghold zu geben, um die Microfilarien unter Kontrolle zu halten. Es stand mittlerweile gesichert fest, dass es keine Dirofilaria ist, weil alle Test negativ waren.

Mein Bauchgefühl signalisierte mir jedoch, dass sie trotzdem noch einmal Panacur bekommen sollte, der Tierarzt hatte keine Bedenken, also führten wird das durch.

Ein paar Tage nach Ende der 10-Tages Kur tobte sie mit einem Hundekumpel durchs Feld. Sie war wie immer schnell aus der Puste, das war mir in den letzten Wochen schon aufgefallen. Ich wollte dann n weitergehen, da machte sie gerade schwer atmend freiwillig Pause. Doch ihr Kumpel forderte sie noch einmal zum Spiel auf und sie, die Spielbegeisterte rannte mit.

Dann gingen wir weiter. Sina wurde langsamer und langsamer. Sie trottete hinter mir her. Als wir an der Weggabelung ankamen, die auf das letzte Stück Weg zur Strasse führt, legte sie sich hin. Ich nahm sie an die Leine und motivierte sie, weiterzugehen. Wir gingen sehr sehr langsam, trotzdem, als wir um die Ecke gebogen waren, legte sie sich wieder hin. Ich wartete erst mal einen Moment, weil ich dachte, sie erholt sich wieder. Doch ihre Augen kippten regelrecht weg, so wie wenn der Hund in Narkose gelegt wird. Ich kontrollierte das Zahnfleisch, es war noch ok. Ich beschloss den Tierarzt anzurufen. Ich schilderte dem Tierarzt die Lage und er sagte, ich solle noch einen Moment abwarten, vielleicht habe ich sie nur einen Schwächeanfall. Ich sagte ihm, das könne nicht sein, weil sie mehr und mehr zusammenklappte. Ich kontrollierte noch einmal das Zahnfleisch und diesmal war es schneeweiss. Ich wusste, dass dies ein Alarmsignal ist und der Tierarzt bestätigte mir das. Er sagte, ich solle sehen, dass ich mit dem Hund aus dem Feld komme und so schnell wie möglich die nächste TA Praxis aufsuche, egal welche. Es ginge um Minuten (seine Praxis war 30 Minuten Fahrzeit entfernt).

Ich rief bei meinen Freunden an, die sich auch sofort ins Auto setzen. Ich wusste, dass sie nicht bis zu der Stelle fahren konnten, denn der Weg war voller Matsch und Schlamm. Um keine wertvolle Zeit zu verlieren, war mir klar, dass ich Sina am Besten schon mal bis dahin trage, bis wo das Auto fahren kann. Sina wog knapp 30 kg und irgendwie schaffte ich es, sie auf meine ausgestreckten Arme zu packen und sie hochzuhieven. Und dann stapfte ich los. Drei Mal musste ich sie absetzen auf der Strecke. Dann bog auch schon das Auto meiner Freunde ein. Sina konnte zu dem Zeitpunkt wieder alleine stehen. Ich schleuderte meine Gummistiefel von mir, setzte mich hinten rein und nahm sie auf den Schoss. Denn wir waren voll mit Matsch und das Auto hat eine helle Innentrim. Zu Hause angekommen stiegen wir aus. Alle Nachbarn standen auf der Strasse. Sina sah sie und rannte so schnell sie konnte zu unserem Haus. Jetzt dachte natürlich jeder, ich hätte übertrieben.

Sina sah immer noch etwas glasig aus den Augen und so fuhren wir zum Tierarzt. Er horchte sie ab, konnte aber nichts Auffälliges feststellen. Sina war zu diesem Zeitpunkt auch schon wieder stabil. Trotzdem wollte ich diese Sache untersucht haben. Wir wurden an einen Internisten überwiesen. Dieser machte ein großes Blutbild, testete den Stoffwechsel, röntge die Lunge, machte EKG und Herzultraschall. Er testete auch noch mal Filarien.

Das Röntgenbild der Lunge zeigt keine Auffälligkeit, das Herzultraschall ergab aber einen stark erhöhten Lungenüberdruck, der aber schon länger bestehen musste, denn das rechte Herz war leicht vergrößert. Ein normaler Rechtsherzlungendruck liegt bei 7 – 9, ist er krankhaft erhöht, sollte er nicht höher als 28 sein. Bei Sina lag er bei 35 – 40!

Die Ursache dafür konnte entweder allergisch bedingt sein oder aber durch die Filarien. Es wurde vja ermutet, dass es sich bei Sina um die Art Dipetalonema reconditum handelt. Das Röntgenbild zeigte auch, dass sie in der Lunge waren.

Ich erfuhr aber auch, dass der Kreislauf zur Bildung der Microfilarien ca. 3 Wochen dauert. Da Sina gerade die 10-Tage Kur hinter sich hatte, sollte ich jetzt erst noch einmal 3 Wochen warten, ihr dann noch einmal Stronghold  geben (falls diese erwachsenen Würmer vor ihrem Tod noch Nachwuchs produziert hätten), dann 6 Wochen warten und dann erneut testen. Wenn dann immer noch Microfilarien vorhanden sind, stand die Überlegung an, dass diese mittels OP entfernt werden müssen.

Die 3 Wochen gingen ins Land und dann kam der Test. Erstmalig stand da „Microfilarien – negativ“. Ich tanzte einen Freudentanz durchs ganze Haus. Aber das war, wie gesagt, nur ein erster Hinweis,  dass nicht mehr sehr viele von den erwachsenen Würmern lebten. Erst wenn der Folgetest wieder negativ sei, hätte Sina es geschafft. Trotzdem wurde mir damit bestätigt, dass die Wiederholung der Behandlung mit dem Wurmmittel, die ja auf meinen Wunsch hin durchgeführt wurde, richtig war.

Wieder 6 Wochen später schickten wir das Blut noch einmal in die Parasitologie. Bedingt durch die bevorstehenden Weihnachtstage war das Blut etwas länger unterwegs, es traf dort am Heiligabend ein. Aber dort wurde bis Mittag gearbeitet. Ich rief dann selbst dort an und um 11.00 Uhr stand ds Ergebnis fest:

Sie hatten KEINE Microfilarien gefunden! Dies war mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Insbesondere als der Parasitologe fragte, wie lange Sina keine Medikamente mehr bekommen hätte. Als ich ihm sagte, dass es jetzt ca. 10 Wochen her ist, meinte er, dass das Ergebnis dann besonders hoch zu werten sei..

Zwei  Monate später wurden zwar noch einmal vereinzelte Microfilarien gefunden, aber das war dann zum letzten Mal, alle Tests die ich, auch in den Jahren danach, noch durchführen liess, zeigten keinen Befund von Microfilarien.

Auch das Herzultraschall wurde wiederholt und zeigte eine deutliche Verbesserung, der Wert lag jetzt nur noch bei 27 – also knapp unter dem pathologischen Höchstwert. Diese Verbesserung in der kurzen Zeit wurde als hoch angesehen und zeigte, dass es wohl wirklich an den Würmern lag und diese jetzt weniger wurden.

Ein Jahr später, an meinem 40. Geburstag, hatte ich mit Sina den Termin zum Herzultraschall.  Ich hatte an dem Tag Urlaub und da ich ziemlich sicher war, dass das Ergebnis gut sein wird.

Aufgrund der guten Situation der letzten Monate und kurz zuvor  negativen  nach 9 Monaten ohne Behandlung, empfahl der Tierarzt auch die Lunge noch einmal zu röntgen. Denn bei der ersten Untersuchung waren die Lungenarterien sehr verdickt, was ja die Vermutung aufkommen liess, dass die Filarien dort angesiedelt waren.

Das Röntgenbild war super, Sinas Lungenvenen waren wieder ganz fein. Dann ging es an Herzultraschall. Der Rechtsherzdruck (Normwert sollte unter 5 sein – pathologisch sollte er nicht über 28 sein) lag diesmal bei ca. 18. Zur Erinnerung – unser erster Wert lag bei 35 – 40, 6 Monate später bei 27. Ich hatte übrigens vorher gesagt, mein Bauchgefühl sagt, er läge bei 17.

Aufgrund des weiter gesunkenen Drucks, aufgrund der wieder feinen Lungenvenen, aufgrund des negativen Bluttests und aufgrund des guten gesundheitlichen Zustandes von Sina, ging man davon aus, dass die Filariose erledigt ist. Was sich dann auch bewahrheitete.

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