Pfotenmania

Sinas letzte Tage

Sina hat in den letzten Monaten etwas abgebaut, sie bekam Probleme mit dem Rücken. Der TA tippte auf Cauda Equina. Wir haben von Röntgen und MRTs abgesehen, weil wir aufgrund des Alters ohnehin nicht mehr operiert hätten. Wir probierten es mit Metacam – halbe Dosis wegen der Nieren (diese wurden vorher noch per BLut gecheckt, und waren fast im Normbereich) –  was erst gut aussah. Fotos und Videos von July zeigen, dass sie da noch recht fit war.  Ich organisierte noch, dass sie Physio bekam.

Das Metacam schlug erst an, aber dann humpelte sie wieder. Und ich beschloß, mit 13 Jahren muss man keine Rücksicht mehr auf die Nieren nehmen, da ist vorrangig, dass sie schmerzfrei läuft. Und so bekam sie es dauerhaft. Das alles war 2 Wochen vor dem Urlaub.

Trotzdem hatte ich manchmal Sorge, dass sie unseren Urlaub nicht mehr packt. Aber sie packte es. Es klappte sogar recht gut.

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Wir achteten drauf dass sie es mit dem Laufen nicht übertreibt. Hier und da merkte ich schon, wenn wir doch etwas zu weit gelaufen waren, wobei wir ja nicht wandern.

Als wir in Erlach waren, wollten wir am See lang laufen, wo die Hunde schwimmen können. Da humpelte sie recht stark, so dass ich den Weg abbrach und wir zurück zum Wohnmobil gingen. Wir packten den Hänger aus und ich zog sie am Trike. Fand sie nicht so toll. Es war auch sehr anstrengend, wie ich am nächsten Tag merkte, als wir auf die Petersinsel fuhren. Zurück kam ich nur, weil ich auch Asko mit zum Ziehen hatte und Dieter von hinten schob.

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Nach Erlach waren wir in Delley Portalban. Dort fanden wir auf einer Radtour mit den Rüden eine Badestelle, wo auch Sina hinein kann. Und so blieben wir einen Tag länger, damit ich noch einmal mit Sina zusammen schwimmen konnte.

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Unseren Urlaub beendeten wir in Deutschland und von dort gibt es noch ein Video, wo ich mit Sina spiele, sie hatte noch Spass.

Sonntags Abend fuhren wir zurück und Montag Morgen ging es dann los. Als hätte sie nur auf unsere Heimkehr gewartet. Sie ging vom Schlafzimmer in die Kudde in die Küche und ging nicht raus. Sie war sehr wackelig auf den Beinen. So wackelig, dass sie nicht mit Dieter und den Jungs an den Rhein fuhr sondern statt dessen mit mir eine Runde auf die Wiese gehen sollten.

Wir liefen ganz langsam los und waren gerade um die Ecke, als sie hinten wegbrach. Ich versuchte, sie wieder auf die Beine zu stellen, es mißlang. Ich legte sie auf die Seite, massierte sie durch und versuchte es noch einmal. Nichts, schlimmer noch, ich konnte sie irgendwie auch mit den Vorderpfoten nicht aufstellen. Also nahm ich sie quasi hochkant und trug sie Richtung Heimat, dabei verlor sie Urin. Und irgendwie war mir klar, dass dies jetzt das Ende sein könnte.

Es kam eine Einfahrt, dort legte ich sie ab, Kopf in meinen Schoß und ein Nachbar rief Dieter an. Er brachte die Jungs schnell nach Hause und kam dann. Obwohl Sina weder hörte am Ende noch gut sehen konnte, hob sie den Kopf und wurde sehr munter.

Beim Tierarzt angekommen sollten wir sie aufstellen, sie schwankte, blieb aber stehen. Aber die Hinterpfote konnte man nach innen knicken, sie ging nicht zurück. Ein paar Schritte laufen konnte sie auch, wenn auch torkelnd. Es reichte um sicher zu sein, dass sie keinen Schlaganfall hatte, denn sie konnte vorne belasten. Aber hinten war alles gelähmt.

Es kam nur in Frage, dass sie Cortison gespritzt bekommt und die nächsten 24 Stunden solten es dann zeigen.  Dr. Navarra wies uns darauf hin, dass es auch am Abend zu Ende gehen könnte. Und natürlich, dass das Cortison für die Nieren Gift ist.

Da die Alternative sofortiges Einschläfern war, entschied ich mich fürs Cortison. Im Laufe des Nachmittages stand sie auf, ging sich lösen und abends lief sie die kleine Runde mit uns. Dafür war sie dann nachts sehr unruhig, hechelte viel, lief viel rum. Morgens war sie wieder etwas schlapp, lief aber mit mit mir. Im Laufe des Tages wurde es besser. Nachmittags waren wir im Garten, wo ich noch ein paar Fotos machte und auf einem schaute sie in den Himmel. Als wenn sie sagen wollte „Robbie ich bin bald da“. Aber sie fraß Leckerlies von den Kindern, war interessiert.

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Wir sind nochmal zum Tierarzt, auch er fand, dass es deutlich besser ist und wir spritzen ihr ein Cortison Depot, damit sie nicht wieder einbricht.

Metacam sollte ich erst Samstag wieder anfangen, denn Cortison 1 hört Freitag auf zu wirken und Cortison 2 fing ja schon an zu wirken.

Dr. Navarra sagte mir aber auch, dass sie nicht mehr so wird wie vorher von der Fitness und dass das jederzeit wieder passieren kann.

Nachts war sie wieder unruhig. Auch das hatte mir Dr. Navarra gesagt. Dass das sein kann, weil sie einfach Rückenschmerzen hat und nicht weiss, wie sie liegen soll. Wie bei uns auch.
Aber am nächsten Morgen jankerte sie vor Freude, dass wir Gassi gehen. Das hatte mir die anderen Tage gefehlt, sie war immer etwas verhaltener als sonst. Auch nach der Arbeit war sie einigermaßen fit und wir sind zum Trailen. Sina ist wie immer vor dem Trailen mit mir ne Runde gegangen und dann im Auto geblieben – Kofferraum auf. Es ist ja immer einer von uns am Auto. Nach dem Trailen gab es eine Runde Eis für alle und sie hat es genossen.

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Auch der Donnerstag lief gut, wir fuhren alle zusammen zum Rhein. Sina schrie fast vor Freude, als wir dort ankamen. Wir liefen erst ein Stück zusammen, dann ging Dieter mit den Jungs die große Runde weiter und ich ging mit Sina zu einer der Buchten. Und machte auch nochmal Fotos.

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Sie war nach dem Spaziergang erschöpft. Und man sah ihr auch an, dass sie nicht mehr sogut kann. Aber das Eis am Abend genoß sie. Sie fraß auch, wenn auch nur wenn ich dabei war und wenn auch Nassfutter im Napf war.

Mir fiel ein, dass ich noch eine viskoelastische Auflage habe, die ich in die Kudde packte. Und die Nacht war sie ruhiger, sie atmete auch nicht mehr so heftig, sie hechelte weniger. Aber sie wollte gegen Morgen in die Küche. Und später zurück.

Morgens ging sie raus und blieb dort. Auf den kalten Steinen. Sie wollte nicht rein. Auch nicht fressen. Auch nicht mit mir Gassi gehen. Und sie signalisierte mir, dass sie gehen möchte.

Aber das Gefühl hatte ich in der Woche schon zwei Mal. Ich fuhr also erst mal. Telefonierte direkt mit Dr. Navarra, der mir sagte, dass es sein kann, dass sie was schlapper ist, weil Cortison 1 jetzt nicht mehr wirkt und Cortison 2 noch nicht voll wirkt. Ich wollte um 10.00 Uhr nach ihr schauen und sollte ihn dann nochmalanrufen. Als ich kam, freute sie sich, mich zu sehen. Wir gingen raus, sie pieselte, Straße zurück, topfte sie auf die Einfahrt der Nachbar gegenüber. Wir gingen zu uns eine Tüte holen, aber als ich wieder  zurück wollte, legte sie sich hin und stand nicht mehr auf. Ich machte die Einfahrt sauber, trug sie ins Haus und vom Flur aus lief sie in die Kudde. Und war mehr als platt.

Ich telefonierte wieder mit Dr. Navarra. Er bat mich die Schleimhäute zu kontrollieren, sie erschienen mir ok. Er fragte ob ich MCP da habe, was ich hatte, ich solle ihr das geben. Er wäre bis am frühen Nachtmittag da, dann aber erst wieder am Montag, dafür entschuldigte er sich, was ich supernett fand. Er empfahl mir, noch einen Tag zu warten ob das Kortison wirkt. Wollte aber die diensthabende Ärztin informieren, falls am Wochenende was ist. Wir vereinbarten, dass ich warte bis Dieter nach Hause kommt und wir dann entscheiden, ob wir warten.

Ich gab ihr MCP und sie wurde 10 Minuten später munterer. Fraß Leckerlie. Ging auch wieder raus. Als Dieter kam, lag sie zwar draussen rum, beobachtete aber alles sehr intensiv.

Wir beschloßen, wir warten noch einen Tag. Ich fuhr noch einkaufen und brachte Beinscheiben mit.

Sina hat Beinscheiben immer geliebt, die gab es nur Freitags, wenn ich Einkaufen war. Und als sie ihre Scheibe fraß, da strahlte sie vor Glück und war wieder der gesunde fröhliche Hund, der sie mal war.

Aber etwas später, als wir die letzte Runde drehten, war sie deutlich schwächer und wir konnten auch nicht weit gehen.

Abends bekam sie nochmal MCP. Nachts lag sie auf einmal neben meinem Bett. Es schien,  als könne sie nicht aufstehen. Aber sie war entspannt und so krabblete ich sie ein wenig und sie legte sich auf die Seite. Sina hat zuvor niemals neben meinem Bett gelegen, sie war immer in der Kudde am Fussende oder in der Küche, aber niemals neben dem Bett.

Morgens lag sie dann in der Küche. Als ich aufstand rannte sie sofort raus in den Garten um sich zu lösen und lag dann auf der Terasse an der Mauer. Und sie zeigte sehr deutlich, dass es ihr jetzt reicht.

Dieter ging zu ihr hin, kam wieder und sagte, dass es Zeit würde. Ich ging auch zu ihr hin und sie sagte es mir auch. Ich setzte mich zu ihr, streichelte sie, das liess sie sich 5 Minuten gefallen und dann drehte sie sich weg.

Ich ging rein, dann kam Asko mit einen Stück Fleisch. Dieter ging gucken und Sina hatte sich wohl nicht gelöst heute morgen sondern unverdaute Beinscheibe ausgespuckt.

Ich rief beim Tierarzt an, für 11.00 Uhr hatten wir einen Termin. Bevor wir fuhren,  setzte ich mich nochmal zu ihr, Nikan war bei mir. Sie liess es sich wieder 5 Minuten gefallen, dann drehte sie sich weg in die Ecke.

Als wir fahren wollten, musste Dieter sie zum Auto tragen. Im Flur setzte er sie kurz ab, sie war sehr wackelig auf den Beinen.

Beim TA angekommen, wurde sie kurz munter, legte sich dann aber wieder. Wir saßen im offenen Kofferaum. Dann kam die TÄ und untersuchte sie noch einmal. Im Magen/Leber Bereich war sie sehr schmerzempfindlich. Der Herzschlag war beschleunigt. Ihr Zahnfleich war sehr hell. Möglicherweise fingen jetzt die Nieren an zu versagen, ein Symtom ist, dass sie keine roten Blutkörperchen mehr produzieren.

Ausserdem stand die Pfote wieder verbogen und es dauerte sehr lange, bis sie sie gerade zog.

Mir war ausserdem aufgefallen dass der Brustkorb vergrössert wirkte, dass sie etwas aufgequollen schien und dass das Rückrat recht durchgebogen war.

Die Tierärztin sagte, dass es noch ein paar Tage dauern würde, bis sie von alleine geht, aber dass das für Sina sehr schlimme Tagen werden würden. Sie sagte, dass sie eigentlich am Ende sind, denn wenn wir mit Cortison den Rücken behandeln, würden die Nieren versagen und wenn wir auf die Nieren Rücksicht nehmen, macht der Rücken Probleme.
Sie sagte, dass für Sina jetzt eigentlich der Zeitpunkt gekommen ist.

Wir waren bei dieser Tierärztin nur einmal, aber ich fand sie sehr sympathisch. Und ich fand es gut, dass sie Sina heute beurteilen musste, weil sie sie die letzten Tage nicht gesehen hat. Aber selbst sie fand, dass es für Sina Zeit wurde und mit dieser endgültigen Entscheidung liess ich Sina gehen.

Sie bekam ihre Narkose im Auto, ich hielt ihren Kopf und auf meinen Wunsch wurde die Euthanasie über die Hinterpfote durchgeführt. Sinas Venen waren immer sehr schlecht, hinten war es meist besser. Trotz ganz viel Vorsicht hat ihr das Setzen der Braunüle etwas weh getan was wohl auch daran lag, dass sie nicht drauf vorbereitet war, dass im Auto jemand an ihr rumdoktort. Aber ich hielt sie ganz fest im Arm und ihren Kopf fest.

Die TÄ sagte, dass sie jetzt die Narkose spritzt und wir verabschiedten uns von ihr.

Um 11.37 Uhr machte sich Sinas Seele auf den Weg über die Regenbogenbrücke.